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Es spricht vieles dafür, eine Katze bereits mit 3 oder 4 Monaten kastrieren zu lassen, was in anderen Ländern schon jahrzehntelang ohne Probleme praktiziert wird und sich auch bei uns immer mehr durchsetzt. Dass manche Tierärzte es noch ablehnen, begründet sich in erster Linie durch mangelnde OP-Erfahrungen mit Tieren dieses Alters, bei denen insbesondere die Dosis des Narkosemittels genauestens dem Körpergewicht angepasst werden muss. Wie eigentlich auch bei jedem zu kastrierenden Kleintier (Zwergkaninchen, Meerschweinchen o. ä. die ja auch sehr leicht und klein sind) Wird sie von einem sachkundigen Tierarzt durchgeführt, hat die so genannte Frühkastration viele Vorteile:

a.. Die Operation ist kürzer
b.. Die Narkose ist kürzer und weniger belastend
c.. Die Operation ist einfacher, da die Keimdrüsen frei liegen und noch nicht von Fettgewebe überlagert sind, dadurch gibt es...
d.. ...weniger Komplikationen/Blutungen
e.. Das Tier ist schneller wieder fit

...möchte ich Ihnen nun hier die Gelegenheit bieten einen Blick auf eine amerikanische Studie zum Thema zu werfen, die von der Winn Feline Foundation - einer renommieren Organisation in den Staaten die Forschungen zum Thema Katzen finanziert und durchführt - initiiert wurde. Diese Zusammenfassung wurde im englischen Original von Diana Curden, Ph. D. verfasst Frühkastration von Katzen - Studie der Winn Feline Foundation Das Konzept der Frühkastration (d.h. bevor eine Katze geschlechtsreif wird) ist alles andere als neu.

Anfang des 20. Jahrhunderts war Frühkastration die Regel und Bedenken bezüglich negativer Nebenwirkungen einer solchen Operation kamen erst sehr viel später auf. Heute bestätigen die meisten Experten, daß bisher nicht genügend wissenschaftlich belegte Informationen zur Verfügung standen, um das beste Alter für eine Kastration zu ermitteln. Bis vor kurzer Zeit gab es keine Forschungsergebnisse, welche die Theorie, daß die Kastration eines Hundes oder einer Katze mit einem Alter von weniger als 5 bis 8 Monaten, bestätigten oder widerlegten.

In der Tat führt einer der Untersuchenden auf diesem Gebiet an, dass viele Tierärzte die Frühkastration seit geraumer Zeit praktizieren, da es unglaublich große Unterschiede gibt, wann Katzen oder Hunde die Geschlechtsreife erlangen. Tierärzte für Großtiere praktizieren bereits seit langem Frühkastration an ihrem Tierbestand und halten dies nicht nur für akzeptabel sondern in vielen Fällen auch für wünschenswert. Selbst bevor Bedenken bezüglich der stetig wachsenden Anzahl an ungewollten Haustieren aufkamen, gab es viele wissenschaftlich belegte Gründe für die Kastration. Kastrierte Kätzinnen sind gegen Gebärmutterkrebs und Gebärmutterinfektionen geschützt. Bei Katern reduziert die Kastration das Risiko für einen Vorfall von Hodenkrebs und einer Prostatavergrößerung und den damit verbundenen Infektionen. Vom Standpunkt des Haustierbesitzers ist ein kastriertes Tier ein viel besserer Gefährte. Sie sind einerseits weniger aggressiv und andererseits anhänglicher als ihre unkastrierten Verwandten. Da sie nicht dem Fortpflanzungstrieb unterliegen werden sie weniger oft streunen oder kämpfen. Bis vor kurzem gab es einen sehr schmerzlichen Mangel an Studien über die Kurz- und Langzeitfolgen der Frühkastration. Obwohl es zahlreiche Anekdoten über Frühkastration gibt, waren diese Fälle vom wissenschaftlichen Standpunkt her nicht aussagekräftig. Bei den meisten dieser Fälle ging es um zufällig verpaarte, nicht verwandte Tiere mit völlig verschiedenem Hintergrund und es gab keinen Versuch, diese Verschiedenheit unter Kontrolle zu bringen. Es gab nur sehr wenige universitäre Untersuchungen auf diesem Gebiet. M.A. Herron von Texas A&M berichtete 1972 darüber, daß eine Kastration vor der Geschlechtsreife einen relativ geringen Effekt auf den Durchmesser der Harnröhre bei Katern hat. In letzter Zeit wurden Untersuchungen im Angell Memorial Hospital in Boston, am College der Veterinärmedizin der Universität von Minnesota und dem Department of Small Animal Clinical Sciences an der Universität in Florida durchgeführt.

Das Projekt in Florida dauerte von 1991 bis 1992 und wurde von der Winn Feline Foundation in Zusammenarbeit mit der American Veterinary Medical Association (Organisation Amerikanischer Veterinärmedizin) finanziert. Es wurde so weit wie möglich versucht, die Unterschiede im medizinischen Hintergrund und in der Genetik möglichst weit zu reduzieren.

Die Kitten wurden eigens für die Untersuchung gezüchtet und die Wurfgeschwister wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die Mütter der Kitten wurden unter Quarantäne gedeckt und untergebracht, da die Ernährung und andere Faktoren sowohl vor als auch nach der Geburt einen Einfluß auf die letztendliche Größe, das Gewicht und den Gesundheitszustand im allgemeinen Einfluß haben können. Dr. Mark Bloomberg bezeugt daß, obwohl die Untersuchung der Langzeitwirkungen noch nicht in vollem Umfang abgeschlossen sind, die anfänglichen Ergebnisse äußerst positiv sind. Bevor er die Untersuchung für die Winn Foundation durchführte, hatte Dr. Bloomberg eine ähnliche Studie an Hunden abgeschlossen.

Die an dieser Untersuchung beteiligten Tiere wurden nun über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet, ohne daß von negativen Nebenwirkungen berichtet wurde. An der Untersuchung der Winn Foundation waren insgesamt 31 Kurzhaarkitten aus 7 Würfen beteiligt, welche auf dem Universitätsgelände der Gainesville Universität geboren wurden.

Die Kitten wurden in drei Gruppen eingeteilt:

Gruppe 1: 11 Kitten; diese wurden im Alter von 7 Wochen kastriert

Gruppe 2: 11 Kitten; diese wurden im Alter von 7 Monaten kastriert

Gruppe 3: eine Kontollgruppe von 9 Kitten; diese wurden erst nach vollständiger Reife und nach Beendigung der ersten Phase der Untersuchung (12 Monate) kastriert Die Untersuchenden berichteten, daß die Operationen an den Kitten der Gruppe 1 unkompliziert und ohne Zwischenfälle verliefen, und daß die Kitten sich schneller erholten als die Kitten in den Gruppen 2 und 3. Dr. Bloomberg bemerkte hierzu, daß es zwar nur sehr wenig Material über Anästhesie bei Jungtieren gibt, allerdings seien Kleinkinder in der Humanmedizin allgemein sehr gute Patienten und es gäbe keinen Grund, warum dies nicht auch bei Katzen und Hunden der Fall sein sollte.

Die größten Probleme bei Operationen an Jungtieren sind die Erhaltung der Körpertemperatur, die richtige Dosierung der Anästhesitika, da der Atemapparat bei Jungtieren noch nicht vollständig entwickelt ist, und die Erhaltung des richtigen Blutzuckerspiegels.

Die Untersuchenden gaben den Kitten der Gruppe 1 nur für eine kürzere Zeit vor der Operation keine Nahrung als bei den Katzen der anderen Gruppen und gaben ihnen als Vorsichtsmaßnahme kleine Mengen von Karo Syrup (ein stark glukosehaltiger Sirup) vor der Narkose. Es sollte an dieser Stelle noch erwähnt werden, daß das allgemeine Vorgehen bei der Reduzierung der Narkosestoffe zum Ende der Operation auf Grund der schnelleren Erholung der Jungtiere etwas abgewandelt wurde. Kritiker führen mehrere mögliche Nebenwirkungen der Frühkastration auf. Allgemein ist man der Meinung, daß kastrierte Tiere weniger aktiv sind und eher zu starkem Übergewicht neigen als unkastrierte Tiere. Ebenso wird gesagt, daß eine Kastration im frühen Alter das normale Wachstum behindert. Besonders bei Katern wurde befürchtet, daß eine Frühkastration die Entwicklung der Harnwege beeinflussen könnte und zu einem vermehrten auftreten von Zysten und Entzündungen der Harnwege führt. Außerdem wurde befürchtet, daß eine Frühkastration sich auf das Verhalten, die Nahrungsaufnahme und die Anforderungen an die Nahrungszusammensetzung und ähnliches auswirkt.

Die Untersuchenden waren bemüht, die meisten dieser Fragen zu beantworten, indem sie einige Daten bei diesen drei Gruppen untersuchten. Insbesondere wurde auf die folgenden Dinge geachtet:

- das Gewicht und die Körperzusammensetzung (z.B. prozentualer Anteil an Körperfett);

- die Knochenlänge und das Alter, mit welchem die langen Knochen aufhören zu wachsen;

- Verhalten;

- Nahrungsaufnahme;

- Entwicklung der Harnwege;
- und die Entwicklung sekundärer geschlechtlicher Merkmale und den Grad geschlechtlicher Reife.

Die Ergebnisse beim Vergleich des Gewichts zeigten Unterschiede beim Vergleich der drei Gruppen. Kater wogen grundsätzlich mehr als Kätzinnen, was allerdings in allen Gruppen gleich war. Die Untersuchungen der Körperzusammensetzung und des Körperfetts zeigten, daß die Werte der Gruppe 1 und 2 identisch waren und allgemein fetter waren als die Katzen der Gruppe 3.

Die Untersuchenden weisen darauf hin, daß die Kater der Gruppe 3 im Alter von 12 Monaten bereits normale Merkmale erwachsener Kater aufwiesen, wie z.B. Gewichtsverlust und die Entwicklung von Katerbacken, was einen Teil des Unterschieds ausmacht. Es wurde bei späteren Untersuchungen außerdem festgestellt, daß der Gewichtsunterschied bei den Katzen der Gruppen immer geringer wird. Alle Katzen wurden in ausgewählten Haushalten, die unter einer gewissen Aufsicht stehen, untergebracht und sind in ihrem neuen Zuhause aktiver als auf dem Universitätsgelände. Eine Nachuntersuchung sollte nach drei Jahren im Mai 1994 durchgeführt werden. Beobachtungen im Verlauf der Studie Es gab allgemein keinen Unterschied in der Nahrungsaufnahme zwischen den Katzen der drei Gruppen außer, daß es in allen Gruppen Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Katzen gab.

Es wurden keine Unterschiede in der Wachstumsrate der Katzen in den drei Gruppen festgestellt, obwohl die Kater in allen Gruppen schneller wuchsen. Es wurde beobachtet, daß die langen Knochen bei den männlichen und weiblichen Katzen der Gruppen 1 und 2 länger wurden. Der Grund hierfür schien zu sein, daß die Knochen bei den Katzen der Gruppen 1 und 2 erst später aufhörten zu wachsen. Dies ist auch die Erklärung dafür, warum früher kastrierte Katzen oft größer (höher und länger) sind, als unkastrierte oder später kastrierte Katzen. Dies schien insbesondere bei den Katern der Fall zu sein. Nach sieben Monaten waren die Katzen der Gruppe 3 vor der Kastration wesentlich aggressiver und außerdem weniger anhänglich als die Katzen der Gruppen 1 und 2.

Entgegen der allgemeinen Meinung waren die kastrierten Katzen genauso aktiv wie die unkastrierten Katzen. Die Beobachtungen der Entwicklung der Harnwege zeigten keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen, außer den geschlechtlich bedingten Unterschieden, welche jedoch über alle Gruppen hinweg konstant waren.

Die Untersuchenden maßen den Umfang der Harnröhre nur bei den Katern der drei Gruppen und konnten keinen Unterschied feststellen. Es gab Bedenken, daß eine Frühkastration einen geringeren Umfang zur Folge haben würde, was ein häufigeres Auftreten von Zysten und damit zusammenhängenden Problemen mit sich bringen könnte. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Die größten Unterschiede zwischen den Gruppen wurden beim Vergleich sekundärer Geschlechtsmerkmale festgestellt. Die Kater wurden auf Unterschiede in der Entwicklung des Penis, der Vorhaut und der hakenartigen Auswüchse untersucht. Die hakenartigen Auswüchse waren bei den Katern der Gruppe 1 überhaupt nicht, bei den Katern der Gruppe 2 unterdurchschnittlich und bei den Katern der Gruppe 3 normal entwickelt. Bei der Untersuchung der Kätzinnen ergab sich, daß die Vulven bei den Kätzinnen der Gruppen 1 und 2 infantiler waren als bei den Kätzinnen der Gruppe 3. Keiner dieser Unterschiede machte bei dem Versuch, den Katzen einen Katheter zu legen, Probleme. Bedenken, daß die Entwicklung der Harnwege durch Frühkastration beeinträchtigt würde, waren offensichtlich unbegründet.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen bisher auf, daß die Unterschiede zwischen den Katzen der Gruppen 1 und 2 vernachlässigbar sind. Obwohl die Unterschiede zwischen den Katzen der ersten Gruppen und der Gruppe 3 teilweise statistisch bedeutsam sind, scheinen sie die Gesundheit der Katzen nicht negativ zu beeinflussen. Die Zeichen stehen eindeutig dafür, daß eine Frühkastration nicht gesundheitsschädlich ist, obwohl dies durch langfristige Folgeuntersuchungen bestätigt werden muß. Aus Sicht der Tierheime und im Hinblick auf das Problem ungewollter Jungtiere sind diese Ergebnisse ermutigend. Wenn alle Tiere - Welpen und Kitten eingeschlossen - die aus Tierheimen adoptiert werden vor der Adoption kastriert bzw. sterilisiert werden, sollte es zu einem entsprechenden Rückgang der Zahl an eingeschläferten Tieren pro Jahr kommen. Ergebnisse aus Alachua County in der Nähe der Universität von Florida in Gainesville scheinen diese Theorie zu untermauern. Die Tierfänger des Alachua County arbeiten mit den Untersuchenden der Universität zusammen und setzen die Frühkastration seit 1990 ein. Kein Tier verläßt das Tierheim, ohne zuvor kastriert zu werden. 1987 wurden im Alachua County 1250 Hunde und Katzen pro Monat eingeschläfert. Seit der Einführung der Frühkastration fiel die Zahl der Einschläferungen auf 940 pro Monat; außerdem ist keine höhere Todesrate im Zusammenhang mit den Frühkastrationen festzustellen. In den letzten Jahren erkannte man die Sicherheit und Effizienz der Frühkastration immer mehr. Die American Humane Association bezeichnet die Frühkastration vor der Adoption aus einem Tierheim als eine angemessene Lösung zur Verringerung der Haustierüberbevölkerung und der Tragödie der daraus resultierenden Todesfälle. Im Juli 1993 stimmten Abgeordnete der American Veterinary Medical Association für das Konzept der Frühkastration. Arbeiten, die von Tierärzten am Angell Memorial Hospital für die Society for the Prevention of Cruelty to Animals (Gemeinschaft für die Verhinderung von Graumsamkeiten an Tieren) angefertigt wurden, unterstützen Dr. Bloombergs Beobachtungen. Andere Organisationen, die ein Programm zur Frühkastration einsetzen sind die Denver Dumb Friends League ind Colorado, die Miami Humane Society and Alachua County Animal Control in Florida, The Humane Society of Austin and Travis County in Texas, die Chicago Animal Control in Illinois, die King County Animal Control im Staat Washington, die Vancouver SPCA in British Columbia und die Southern Oregon Humane Society in Oregon. Die Dekalb Humane Society in Decatur, Collie Rescue of Metro Atlanta, die Georgia Alliance of Purebred Canine Rescuers, The Haven and Dog River Sanctuary in Douglasville sind einige der Organisationen in Georgia, die Frühkastration bei Hunden, Katzen und exotischen Tierarten einsetzen. Die Cat Fanciers' Assocition (CFA) hat seine Ausstellungsregeln insofern geändert, daß jetzt kastrierte Kitten an den Ausstellungen teilnehmen dürfen. Viele Züchter von Rassekatzen arbeiten mit ihren Tierärzten zusammen und lassen Liebhaberkitten kastrieren, bevor sie in ihr neues Zuhause kommen. Diese Züchter sagen, daß sie mit der Frühkastration sehr zufrieden sind. Die neuen Besitzer der Liebhabertiere sagen, daß sie sich dank der Frühkastration keine Gedanken über die Operation und den damit verbundenen Kosten einer späteren Kastration machen müssen.

Genauso wie die Tierheime, müssen sich Züchter daher keine Sorgen machen, daß die Kitten, für welches sie ein neues Zuhause gefunden haben, in Zukunft die Überbevölkerung an Haustieren verschlimmern."

Dieser Bericht ist übernommen von
www.catconnect.com Rassekatzen & Züchter weltweit


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