Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
Hier habe ich in komprimierter und leicht verständlicher Form zusammengefasst, was zur Zeit im Internet zu diesem Thema zu finden ist.

Die HCM äußert sich (einfach ausgedrückt) als eine Verdickung des Herzmuskels (besonders der linken Herzseite). Das Herz muß sich bei der Pumpleistung mehr anstrengen, auch der gesunde Teil hat mehr Arbeit. Das Blut wird unregelmäßig weitergepumpt - Rückstau - es besteht die Gefahr einer Thrombose, Kammerflimmern, Rhythmusstörungen, Herzversagen.

I. d. R. sind etwas mehr Kater als Katzen betroffen. Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) betrifft alle Katzen und konnte bisher am häufigsten in Hauskatzen nachgewiesen werden.
(Quelle: Dr. Susan Little, Internat. Convention on Cat Breeding am 08. und 09. März 2006 in Montpeillier/Frankreich).

Weltweit vielen gewissenhaften Züchtern und deren Interesse an der Vitatlität der Maine Coon ist es zu verdanken, dass die Ursache der Erkrankung bei dieser Rasse erforscht wurde.

Anfang 2006 gelang es Dr. Kittelson und Dr. Meurs an der State University of Ohio eine Genmutation (MYBPC) zu finden, die als ein Verursacher der HCM bei Katzen der Rasse Maine Coon angesehen werden kann. Diese Erkenntnis führte zu der Entwicklung eines DNA-Tests für diese Mutation für Maine Coons und Maine Coon Mischlinge. Dieser Test erfortert eine Blutabnahme oder einen sog. Backenabstrich aus der Maulhöhle, bei der Zellen für den Gentest gesammelt werden (wie beim menschlichen Vaterschaftstest).
Ergebnisse können sein:
N/N = negativ, frei von dem mutierten Gen
HCM/N = das Gen sitzt auf einem Allel (mischerbig)
HCM/HCM = das Gen sitz auf beiden Allelen (reinerbig)

Bei einem positiven Testergebnis kann davon ausgegangen werden, dass die Katze eine HCM ausbilden wird. Wobei der Zeitpunkt hierbei noch völlig unklar ist und die Möglichkeit besteht, dass positiv getestete Katzen durchaus ein langes und gesundes Leben führen und nur eine sehr milde Form der HCM entwickeln.

Zahlreiche Züchter/innen besitzen HCM-mischerbige Tiere - z. T. schon Kastraten, die sich trotz hohem Alter bester Gesundheit erfreuen. Bei einem negativen Befund hingegen kann wiederum nicht ausgeschlossen werden, dass eine andere, bisher noch unbekannte Mutation zu einer HCM Erkrankung führen kann.

Beim Menschen - auch da gibt es die Herzwandverdickung - konnten inzwischen über 180 Mutationen nachgewiesen werden, die alle zu einer HCM Erkrankung führen, allerdings mit unterschiedlichen Prognosen für die Stärke der Ausprägung.

Bei der Maine Coon wird die HCM autosomal (nicht geschlechtsgebunden) dominant vererbt, dh. dass bereits ein betroffenes Allel - der Teil auf dem Chromosom, der vom Vater/der Mutter stammt- (heterozygote pos.) zu dieser Erkrankung führt.
Die Schwere der Erkrankung nimmt zu, wenn die Katze reinerbig -beide Eltern haben ihren Teil beigetragen (homozygot pos.)- für diese Mutation ist. Selten überleben die Kitten von reinerbig belasteten Eltern das erste Jahr.

Wenn bei einer Katze die Krankheitssymptome in der Frühphase auftreten, kann sie mit Beta-Blockern und Entwässerungsmitteln behandelt werden um das Herz zu entlasten. Man hofft, damit das damit auch die fatale Vergrößerungstendenz der gesunden Herzmuskelzellen/ Herzwachstum verlangsamt wird. Bei manifester Herzinsuffizienz werden ACE-Hemmer eingesetzt.

Für einen verantwortungsvollen Züchter ist dieser Test (sowie eine spezielle Ultraschalluntersuchung) der Zuchtkatzen von Bedeutung. Er ist ein Schritt in die richtige Richtung zur Gesundherhaltung unserer geliebten Maine Coons.
Jedoch muss mit dem neuen Wissen behutsam umgegangen werden, Hysterie nutzt niemandem, auch der Zucht nicht.

Laut Dr. S. Little ist eine Eliminierung von pos. getesteten Katzen aus dem Zuchtprogramm im Hinblick auf die Zuchthygiene ratsam, jedoch dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass wir damit auch Gefahr laufen, den Genpool unserer Coonies zu stark einzuschränken und somit andere gesundheitliche Probleme unbewusst zu fördern.

Die Erfahrungen aus den Anfängen der Maine Coon Zucht und der extrem enge Genpool der frühen Jahre, verbunden mit den seinerzeit aufgetretenen Problemen, gibt uns Recht.
Der Umgang mit Verstand ist hier gefragt. Eine sinnvolle Empfehlung: Homozygot positiv (reinerbig - auf beiden Allelen "Armen" befindliches Gen durch beide Eltern) getestete Tiere sollen nicht mehr zur Zucht eingesetzt, kastriert und beobachtet werden.
Wenn heterozygot pos. (mischerbig - das Gen befindet sich auf einem Allel) Katzen/Kater verpaart werden, dann sollte dies nur mit negativ getesteten Katern/Katzen geschehen, um so langsam immer mehr negative (d. h. frei von diesem mutierten Gen) Tiere zu züchten. Dieser vorsichtige Umgang ist angesagt, da noch zu wenig über andere Mutationen bekannt ist und wir bisher von vielen pos. getesteten Maine Coons wissen, die bereits ein hohes Alter erreicht haben und keinerlei Krankheitsanzeichen von HCM zeigen.
Dennoch ist die Erkenntnis über diese Mutation wichtig und sollte auf keinen Fall negiert werden, jeder Zuchtverein sollte seinen Züchtern/innen diesen Test und Ultraschall-Colordoppler abverlangen.

Wie eingangs erwähnt, ist HCM keine Maine Coon Krankheit. Die Maine Coon Züchter sind nur die ersten gewesen die offen darüber gesprochen haben und den Stein ins Rollen brachten.
Dank dieser Bemühungen um die Gesundheit der Rasse wird auch bald ein Gentest für andere Rassen zur Verfügung stehen. Derzeit wird an einem Gentest für die Rassen Ragdoll und Devon Rex gearbeitet.

Wenn Ihnen erzählt wird: "Nur keine Maine Coon, die sind alle herzkrank, nehmen Sie lieber eine andere Rasse" sind Sie jetzt besser informiert, wissen sicher, dass das nicht stimmt!

Allerdings ist auch eines zu 100% sicher: Sollten Sie bei einem "Vermehrer" nachfragen, der/die keine Papiere für die Kitten hat, nie auch nur einen Cent in Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und Gesunderhaltung investiert hat, wo die Katze Freigängerin ist und einen "unbekannten Liebhaber" hatte... dann können Sie Glück haben, dass Sie ein Kätzchen bekommen das einer Maine Coon ähnlich ist... aber weder das Sozialverhalten noch die penible und umsichtige Fürsorge genossen hat, die ein so zauberhaften Wesen verlangt! Von der vernachlässigten Gesundheit wollen wir hier nicht reden...

Noch eine persönliche Anmerkung zum Schluss:
Vor vielen, vielen Jahren hat ein Tierarzt einmal zu mir gesagt als ich einen Kater mit Mandelentzündung vorstellte (ich hatte noch keine Ahnung, dass eine Katze auch Mandeln hat) "Eine Katze ist auch nur ein Mensch im Pelz". Was bedeuten soll: Auch eine Katze ist ein Säugetier, kann all die Krankheiten bekommen, die ein Mensch auch bekommen kann.
Krebs, Tumore, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Herzfehler, Zahnkrankheiten, Asthma, Allergien... Und bei uns Menschen gibt es einen weisen Spruch: "Jeder, der gesund ist, war nur nicht oft genug beim Arzt und hat sich lange genug untersuchen lassen."
Die Gentechnik ist den Kinderschuhen entwachsen, man mag der Gentechnik, genmanipulierten Nahrungsmitteln und der genetischen Früherkennung von Krankheiten gegenüberstehen wie man will: Die Genforschung hat für viele Erkenntnisse gesorgt. Übermäßiges Leid kann, zumindestens bei Zuchtttieren, verhindert werden.
Oder eben auch schaffen, wenn z. B. Schweinen so viel Fleischmasse angezüchtet wird, dass sie auf verkrümmten Beinen nur mehr knieen können, das eigene Gewicht nicht mehr tragen.
Nur mal ein Denkanstoß: Wie viele Menschen haben - noch Ende 1800, Anfang 1900 - Kinder gezeugt, obwohl der Mann Syphillis hatte oder die Mutter Typhuskrank war.... Etliche Kinder überlebten und wurden erwachsen, trugen die mutierten Gene, zeugten weitere Kinder.... die auch diese Gene weitertrugen. Und das ist nur 4-3 Generationen her... Viele Herz-, Haut-, Lungenkrankheiten resultieren daher...

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