Kontra: Hunde in der Katzenzucht / Das Parvovirus



Natürlich gibt es immer wieder die Hinweise: Kitten sind an Hunde gewöhnt.

Das finde ich auch richtig, meiner Meinung nach sollte diese Prägung aber nie vor der 14. Woche erfolgen.
Und niemals sollten z. B. 2 Wochen alte Kitten von Hunden abgeschleckt werden oder an deren Bauchfell nuckeln dürfen. (Auch wenn das sooo niedlich aussieht... )
Hunde sind potenzielle Virenträger!
Auch das so oft gebrauchte Argument: " Das macht nichts, mein Hund wird immer gebadet" zählt nicht, denn wer badet seinen Hund schon bei 80 Grad?
Und von "drinnen" schon mal garnicht....

Folgender Artikel aus der BEC-Zeitung 2/2006 unterstützt meine Intention.

Das Parvovirus 1872 entdeckte der russische Botaniker Ivanowski, dass es infektiöse Agentien gibt, die im Gegensatz zu zellulären Mikroorganismen feinporige keramische Filter passieren können:

Viren ...unterscheiden sich von allen zellulären Organismen. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und können sich erst in einer passenden Wirtszelle mit Hilfe des enzymatschen Apparates der infizierten Zelle vermehren. Es handelt sich also um Parasiten.
Die Inanspruchnahme der Zelle für die eigene Produktion führt zu den Symptomen der Infektion und häufig zum Zelltod. Außerhalb der Wirtszelle besitzen Viren meist eine sehr stabile Struktur, bei der die virale Nukleinsäure von einer schützenden Proteinhülle umgeben ist. Dadurch behalten sie in Umgebung wie Körperflüssigkeit, Pflanzensaft, Lufttröpfchen oder Wasser ihre Infektiösität bei.

Sie sind nur mit dem Elektronenmikroskop wahrzunehmen.
Die Form der Viren wird durch die Proteinhülle, das Capsid, bestimmt. Innerhalb des Capsids befindet sich das virale Genom, das entweder aus RNA oder DNA besteht (Erbinformation). Bei dem Parvovirus - mit 18 bis 26 nm Durchmesser das kleinste, kompletteste Virus, handelt es sich um ein unbehülltes, einzelsträngiges DNA-Virus.

Das feline Parvovirus (FPV) ruft eine hochinfektiöse, weltweit verbreitete Krankheit bei Katzen hervor, die feline Panleukemie - auch bekannt als Katzenseuche, feline Parvovirose, Katzenstaupe oder Feline Distemper.

Katzen, die nicht durch Antikörper geschützt sind und sich mit dem FPV infiziern, erkranken.

Das FPV ist nahe verwandt mit dem caninen Parvovirus (CPV - Hauptwirt Hunde) und unterscheidet sich von ihm nur in bestimmten Gensequenzen.

CPV, ein Virus, das 1972 erstmals nachgewiesen wurde, entstand aus dem FPV durch Überschreiten der Speziesbarrieren.
Trotz Unterschieden im Genom kann das CPV Katzen infizieren und klinische Symptome verursachen.
Bei klinisch an Panleukopenie erkrankten Katzen wird in Deutschland bei etwa 5%, in Asien nach neuesten Untersuchungen sogar bis zu 80% CPV anstelle von FPV isoliert. E
s gibt Theorien, dass CPV das FPV zunehmend verdrängt und das FPV somit an Bedeutung verliert.

Klinische Symptome bei der Panleukopenie können sein: Apathie, Anorexie (Appetitmangel), Fieber, Erbrechen, Diarrhöe (Durchfall).

Zielorgane der Parvoviren sind vor allem die Kryptenepithelien des Darms, das lymphatische Gewebe und das Knochenmark, da die Viren eine hohe Affinität zu sich schnell teilenden Zellen haben. Die Besiedelung führt zur Zerstörung der Darmzotten, Nekrose (Gewebetod) des Lymphgewebes und im Knochenmark zur Reduktion der Vorläuferzellen. Im Blutbild manifestiert sich dies vor allem durch Abnahme der Zahl der Zellen mit kurzer Überlebensdauer wie der neutrophilen Granulozyten.
Eine Anämie (Blutarmut) entsteht nur bei längerer andauernder Infektion, da die Erythrozyten (roten Blutkörperchen) eine Überlebenszeit von ca. 120 Tagen haben.

Durch Vermehrung der Viren in den Pazentazellen trächtiger Kätzinnen können Feten infiziert werden. Nach dem ersten Drittel der Trächtigkeit kann eine Infektion eine zereballare Hypoplasie (Hirn-Unterentwicklung) der Welpen hervorrufen. Nach der Geburt zeigen diese Welpen Ataxie (Koordinationsstörung der Bewegung), Inkoordination und häufig Intentionstremor (unkontrolliertes Zittern). Man nennt das: feline Ataxie-Syndrom. Eine frühe Infektion im Mutterleib führt zum Fruchttod.

Gesichert werden kann die Parvovirose durch elektronenmikroskopische Untersuchung des Kots, eine PCR aus Vollblut, mit Hilfe eines Praxis-Schnelltests auf Basis eines ELISA oder Immunchromatographieverfahrens, denn mit Hilfe von diesen Tests zum Nachweis von caninen Parvovirusantigenen im Kot können auch FPV nachgewiesen werden. Bei allen Erreger-Nachweisen kann ein falschnegatives Ergebnis vorkommen, da das Parvovirus nicht kontinuierlich ausgeschieden wird. Im Verdachtsfall sollte also eine Wiederholungsuntersuchung erfolgen.

( ) Die Prognose zur Heilung ist umso günstiger, je frühzeitiger mit der Intensivtherapie begonnen wird. Ohne Therapie liegt die Mortalitäts(Todes)rate bei 75%. Die Infektiösität für andere Katzen beginnt bereits kurz nach der Infektion, noch innerhalb der Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen. Das Parvovirus kann bei genesenen und klinisch inapparent infizierten Katzen noch bis zu 6 Wochen mit dem Kot ausgeschieden werden. Das Virus ist äußerst stabil in der Außenwelt und kann nur durch wenige Infektionsmittel (z. B. Hypochlorit, Glutaralldehyd, Formalin) zerstört werden. Es kann bis zu einem Jahr und länger auf infizierten Gegenständen überleben.

( ) Der einzig wirksame Schutz gegen die Krankheit ist die Impfung. Es gibt attenuierte Lebendimpfstoffe und inaktivierte Vakzine. Die Impfung gegen FPV schütz auch gegen CPV. Um eine ausreichende Immunisierung zu erreichen, wird nach einer Grundimmunisierung (8. und 12. Lebenswoche) eine jährliche Boosterung (Auffrischung) vorgeschlagen.

( ) Quellen: Feline Panleukopenie, K. Hartmann und J. Hein, University of Georgia, Athens, USA Mikrobiologie, KAtharina Muck, Spektrum Verlag.

Mein Fazit:
Meine Zuchttiere sind getestet und geimpft - auch gegen Leukose-, haben keinen Kontakt zu Freigängern.
Kittenbesuch ist nicht vor der 4. Woche, auch nur mit "Bitte Schuhe aus vor der Tür " und Hände desinfizieren, Hundebesuch nicht erwünscht.
Die Kitten werden in der 8. und 12. Woche grundimmunisiert (Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut) und haben somit eine gesicherte gesundheitliche Grundlage.
Ich ziehe meine Kitten nicht "unter der Käseglocke" auf, ab einem gewissen Alter dürfen sie auch raus in den Garten, aber ich muß sie nicht willentlich und wissentlich dem qualvollen Tode aussetzen!
Bakterien kriegt der TA mit Antibiotika weg, Viren sind ein lebensgefährliches Kapitel für sich! Siehe beim Mensch: z. B. HIV und Influenza (Grippe mit jährlich fast 1500 Toten in Deutschland.)

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