Die Mutterkatze ist das geduldigste und liebevollste Geschöpf auf dieser Erde.
Bis zu einem gewissen Punkt....

Nach der erschöpfenden Geburt verlässt sie das Nest nur, um kurz zu fressen (schnell herunterschlingen wäre der passendere Ausdruck) und ihr "Geschäft " zu verrichten. Das "Müssen müssen" geschieht meist nur einmal am Tag, allerdings in entsprechender Menge.
Die restlichen 23,5 Stunden kümmert sie sich ausschließlich um ihre Kinder im Nest. Nährt sie, massiert Bäuche und Popo, leckt die Ausscheidungen weg, schnurrt und wärmt.
Die Kinder sind behütet und spüren Wärme, Nähe und Liebe. Sobald die Kleinen im Alter von ca. 3 - 4 Wochen flügge werden, das Nest verlassen, versuchen, die ersten Häppchen selbst zu fressen, ist die Mutter beim ersten Fiepsen eines Kindes zur Stelle, schaut, warum geklagt wird, purrt dann beruhigend und schleckt einmal kurz drüber. Alles in Ordnung...
Die Kinder können sich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf ihre Mutter verlassen.
So ab der 10. Woche, wenn die wilden Spiele der Kinder der Mutter auf die Nerven gehen, wenn sich die Streitereien beim Fressen und Raufen zu üppig gestalten, dann gibt Mutter Laut!
Katzenmütter diskutieren nicht mit ihren Kindern. Sie ordnen an.
Ein drohendes Grollen, tief unten aus der Kehle mit geschlossenem Mäulchen. Verbunden mit einem starren Blick in das Gesicht des Übeltäters...
Das Kleine duckt sich, verharrt kurz und macht auf der Hacke kehrt. Falls diese Reaktion auf das Drohen nicht erfolgt, die Unbotmäßigkeit weiter geht, folgt ein kurzer Hieb mit der Tatze, eine gezielte Kopfnuss!
Das hilft immer!
Was können wir tun, um die Erziehung der Kleinen zu fördern, ihre Intelligenz zu fordern?
Grundsätzlich eines Vorweg:
Alles muss immer gleich und sofort erfolgen, innerhalb der nächsten Sekunden.
Eine Minute später ist auch der größte Schabernack schon wieder vergessen und Vergangenheit. Wenn zum Beispiel ein "kleines Malheur" passiert ist: Ein Pfützchen, eine Übergebung, eine umgeworfene Vase...
Nie strafen. Nicht anschreien. Anschreien quittiert eine intelligente Katze mit einem gelangweilten Blick, ausgiebigem Putzen (ich weiß gar nicht warum du dich aufregst: Ich war`s nicht!) oder davonmarschieren mit erhobenem Schwanz.
Der Blick auf eine indignierte Rückseite lässt den normalen Menschen sowieso schlagartig verstummen.
Was also tun?
Bei Pfützchen oder Erbrochenem: Lappen nehmen, wegwischen, vergessen. Kein Kommentar.
Schlecht werden kann jedem mal, und Katz sucht sich das nicht aus, wo sie es erledigt. Der Perserteppich wird genau so wertneutral betrachtet wie die Bodenfliesen im Bad...
Und was raus will, muss raus. Erledigt. Vergessen.
Anschreien hinterher bringt die Katze mit keinem Vorgang in Verbindung. Sie weiß schlichtweg nicht mehr, was vor ein paar Minuten war.
Bei der umgeworfenen Vase verhält es sich genau so. Das leckere Gras zur Dekoration der Rosen, die wippenden Köpfe der Blumen... alles interessant, zum Spielen verlockend, lecker.
Nichts Böses ahnend geht die Katze ihren tief verankerten Trieben nach - und hinterlässt ein kleines Chaos.
Was können wir tun?
Erst mal: Wer sich mit einer spielwütigen, gelangweilten, neugierigen Katze den Haushalt teilt, muss Rücksicht nehmen.
Vasen in nicht erreichbare Zonen stellen. Auf dem Schrank, dicht unter der Zimmerdecke verliert die üppigste Blütenpracht ihre Wirkung... deshalb: Vielleicht erst mal keine Schnittblumen....
Bei Topfpflanzen wird zwar auch gerne in der Erde gebuddelt (es können ja Mäuse drin sein...) aber ein über den Topf drapiertes Stück Karnickeldraht oder dicke Kieselsteine vom Strandurlaub verhindern solche Attacken zuverlässig und wirken optisch nicht wirklich störend.
Was können wir aus den zuvor beschriebenen Erziehungsgesten der Mutter lernen?
Wenn zurechtgewiesen werden soll, dann sofort.
Ein deutliches "NEIN" wirkt genau wie das Grollen der Mutter. Ich verbinde dieses "NEIN" von Anfang an mit einem "leichten körperlichen Verweis". In Form einer fliegenden Socke, wenn der Weg zum Übeltäter zu weit ist, zum Beispiel.
Man nehme eine ausgediente Socke, fülle sie mit eine großen Handvoll trockener Erbsen, binde den nun fast Mandarinengroßen Socken dicht über dem Füllmaterial ab, kremple den übrigen Rest der Socke um, noch mal abbinden, und schon ist ein effizientes, weiches, zielsicher zu werfendes Geschoss fertig. Das nicht weh tut, zum Beispiel abends in Griffnähe neben dem Sofa liegt, und wenn ein Kitten versucht an der Tapete zu kratzen, gibt es ein energisches "NEIN", verbunden mit dem kurzen Aufprall eines "aus dem Nichts erscheinenden" Dingsbums.
Schreck, ein Hopser, und schon ist wieder alles vergessen.
Das wichtigste ist: Die ungewünschte Aktion wird SOFORT unterbrochen, das NEIN kommt sofort, und das störende Geschoss wird nicht direkt mit der Hand, die nur streichelt, in Verbindung gebracht.
NIE hauen! Auch nicht mit der zusammengerollten Zeitung.
Was erlaubt, effizient und von der Katze augenblicklich nachvollziehbar ist, ist ein schneller Schnipps mit Mittelfinger und Daumen (ähnlich wie beim Murmelspiel früher...) an eine Ohrenspitze. Das ist erfolgreich, wenn die Katz in erreichbarer Nähe ist. Verbunden mit dem schon bekannten "NEIN" ist das wie der Tatzehieb der Mutter. Effizient, schnell, unangenehm und schmerzlos!
Diese beiden Erfahrungen: Der Sockenflug und der Schnippser müssen seltenst angewendet werden, da das NEIN in Zukunft ausreicht!
Katzen vergessen "Missetaten" zwar schnell, sind aber unglaublich Lern- und Merkfähig, was ihrer eigenen Sicherheit dienlich ist!
Was gibt uns der Sicherheitsaspekt der Mutter mit für die Zukunft der Kitten mit auf den Weg?
Welche Verantwortung haben wir hier?
Zuallererst:
Wenn das Kitten fiepst und weint: SOFORT drum kümmern, trösten, streicheln, knutschen, lieben!
Bei Menschenkindern sagt der Volksmund häufig: Schreien lassen, das kräftigt die Lunge. Das ist bei Kitten nicht nötig. Wenn die weinen, haben sie einen echten Grund. Meist fühlen sie sich allein gelassen. Vor allem in den ersten Tagen nach dem Umzug in das neue Zuhause. Die Mutter ist weg, keine Geschwister mehr zum Kuscheln und Toben, fremde Geräusche, Gegenstände, Räume und Gerüche.
Verwirrende Welt. Alles fremd.
HIIILFE!!!!
Hier muss der Mensch dann alle Liebe und Geborgenheit geben zu der er/sie fähig ist. Genau wie die Mutter in den ersten Wochen.
Und zwar sofort! Alles andere kann warten! Die Seele eines hilflosen Wesens hat Vorrang!
Genau so verhält der Mensch sich auch Bitte, wenn das Kitten zum Schmusen kommt.
Freiwillige Liebesbezeugungen sollten NIE im Keim durch Missachtung erstickt werden. Die 10 Minuten müssen sein! Um so freiwilliger lassen sich die großen Katzen dann zukünftig zum Kuscheln und zur "Zwangsverknutschung" überreden!
Nichts ist doch schöner, als wenn man abends auf dem Sofa sitzt, kurz klopft, sagt: HOPS!" und die Katze kommt zum Schmusen, legt sich auf/neben dich und schnurrt....

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