… da steht es wieder – mein Personal – und kriegt sich gar nicht wieder ein.
„Guck mal wie niedlich sie das Futter mit dem Pfötchen aus der Schüssel holt und zum Mäulchen führt! Ganz wie ein Mensch…
NEIN ! Miezi! Nicht das feine Fresschen auf den Boden schmeißen. Pfui – mach doch nicht solch einen Schweinkram auf dem Küchenboden. Das ist doch ganz frisch! Das magst du doch. Komm, Frauchen tut es dir wieder in dein feines Schüsselchen.“
Oh Bastet… Jahrelang geht das jetzt schon so. Wann kapieren die es endlich!
Sie wollen ja nur das Beste für mich. Feines Fleisch in mausgroßen Stückchen schön fett und mit allem drum und dran, ganz teures Knusperfutter, immer frisches Wasser.
Aber warum nur immer in diesen Schüsselchen!
Ganz tief, ganz eng. Ganz scheußlich.
Mir ist es herzlich egal ob da ein Fischmuster oder Mausmuster drauf ist…
Deswegen wird es auch nicht besser!
Ey Mensch! Schau mich mal an. In mein Gesicht.
„Miezili.. was schaust du mich an mit deinen wunderschönen Augen. Magst du noch was leckeres?“
Ey Mensch – guck tiefer.
Ja. Richtung stimmt. Nein – nicht meine rosa Nase mit dem feinen dunklen Rand drum rum.
Dazwischen – etwas höher. Was siehst du da?
„Was hast du nur für ultralange Schnurrhaare!“
Oh Bastet – sie hat es wieder gesagt. „Schnurrhaare“.
Damit hat noch nie seit Katzengedenken eine Katze geschnurrt.
Ach.. das Personal hat einfach keine Ahnung und total unterentwickelte Sinnesorgane.
Ich erkläre es dir jetzt mal ganz langsam damit auch du es endlich hoffentlich mal begreifst.
Ich versuche, meine Gedanken in deine Gedanken zu flechten.
Ich schaue dich ganz intensiv an. Schalte mal kurz dein Hirn aus und fühle einfach meine Worte:
Das sind extrem feine Antennen! Damit erhasche ich die Schwingungen wenn eine Maus atmet.
Das sind meine Fühler in der Dunkelheit, damit ich nirgendwo gegenrenne. Ein Tipps an die feine Spitze wird weitergeleitet durch das ganze Haar bis in meine Oberlippe. Von da aus an die Haarwurzel. In meinem Oberkieferknochen sind ganz feine Löchlein, in die die Nervenenden der Haarwurzeln führen. Von da aus gehen die Signale gleich in mein Gehirn. Meine Sinne sind so fein, das kannst du dir gar nicht vorstellen…
Und nun stelle dir mal vor: Du wärest genau so ausgerüstet wie ich. Und müsstest aus dieser unsäglichen Schüssel essen.
Du hast Hunger und steckst dein Mäulchen in die Schüssel. Und die Tasthaare knallen an den Rand und signalisieren:
„Stopp. Widerstand, geht nicht weiter!“ Und das dauernd, immer wieder. Das ist unangenehm, fast schmerzhaft.
Da kommst auch du ganz schnell auf die Idee die Finger in die Schüssel zu stecken und mit der Hand zuzugreifen.
Hast du schon mal zugesehen wenn eine Hofkatze die Maus verspeist?
Sag jetzt nicht „igitt“ – Maus ist lecker.
Sie legt die Maus auf die Erde, beißt genüsslich rein, dreht den Kopf ein wenig auf die Seite um alles richtig zwischen die Backenzähne zu kriegen… hmmm… und zerteilt vorne und hinten. Puhlt die Leber mit der Galle raus und vertilgt den Rest.
Mit Genuss und frei vibrierenden Tasthaaren.
Geht dann ein paar Schritte zur nächsten Regenwasserpfütze und spült fein nach.
Ey Mensch – in mir steckt noch ein ganz großer Rest der wilden Katze.
Ich kann und will nicht fein aus dem Schüsselchen essen. Ich möchte mit Genuss fressen. Ich bin eine freie Jägerin.
Du willst mir es schön machen, mir jeden Wunsch erfüllen?
Ich sehe ja ein dass es „ordentlich“ zugehen muss. Ich selbst lege ja auch extrem viel Wert auf Reinlichkeit.
Also: Futter bitte auf einen großen, flachen Essteller. Genau wie dein Mittagsteller für Schnitzel und Kartoffeln.
Und denke bitte dran: Ich bin eine Jägerin.
Ich muss nicht mein Futter jeden Tag und immer am gleichen Platz essen.
Ich liebe die Jagd.
Stell den Teller doch einfach immer wieder irgendwo anders hin. An die unmöglichsten Stellen. Ich habe so feine Sinne – ich finde ihn. Es gibt mir eine sinnvolle Beschäftigung. Es muss auch nicht immer die gleiche Uhrzeit sein. Ich kipp schon nicht um wenn es mal 2 Stunden später oder früher wird.
Nur einen ganzen Tag hungern – das kann ich nicht ab!
Sei sicher: Ich werde glücklich sein. Mein Jagderfolg macht mich stolz.
Und die Knabberchen: Dass muss auch nicht die ganze Portion auf einmal sein. Spiele abends mit mir. Schmeiß die Dinger einzeln durch die Wohnung. Ich kriege die! Und das mit Schwung, sportlich wie ich bin (und bleiben möchte!) Das bringt einen Heidenspaß.
Das ist wie Fliegen fangen und fressen. Viel besser als immer nur hinter dem Federpüschel hinterherlaufen. Der schmeckt nach nix…
Und das Beste an der ganzen Sache: Meine Tasthaare signalisieren mir jetzt nicht mehr (während mein Magen knurrt) ALARM!
Essen ist jetzt nicht mehr unangenehm, tut jetzt nicht mehr weh.
Hast du meine Gedanken erfasst? Kannst du mich jetzt verstehen?
Das das nicht „niedlich“ ist sondern umständlich und katzenunwürdig – mit der Kralle zu essen..
Das ich in der Wasserschale plansche: das hat auch einen ganz „wilden“ Grund: In freier Natur könnten Blätter, Eis oder sonstiger Unrat auf der Oberfläche sein. Und das muss erst zur Seite geschoben werden. Das ist in unserem Coon-Hirn immer noch so verankert. Ungefähr so wie bei euch Menschen die Gänsehaut wenn ihr friert.
In Urzeiten habt ihr damit euren Pelz aufgeplustert um euch warm zu halten.
Siehste: Jetzt lachst du. Jetzt hast du mich verstanden.
Hoffentlich…

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