Wir ALLE kennen das - egal ob 1 Katze, 3 oder 10:
Diesen entscheidenden Satz: " Lass das"
Und dieser Satz kann 100 Gründe haben.
Quer übern Tisch laufen, Pfoten an der Wand, kratzen am Ledersofa, buddelm im Blumentopf, an der Gardine schaukeln...
Alles Dinge, die für eine Katze "reviertypisches" Verhalten sind - und die wir mehr oder weniger unmöglich finden.
Es mag ja Stoiker unter uns geben, die im Zusammenleben mit der pelzigen Gesellschaft resigniert haben.
Bei denen kommt man zu Besuch und der Sessel sieht aus wie ein ungepflegter Pudel...
DIe Katzen sind glücklich - und das Personal hat hin und wieder einen leidenden Gesichtsausdruck.
Was die Katzen aber überhaupt nicht interessiert denn: Ihnen geht es gut.

Etliche Katzendiener gehören der anderen Sorte an: Sie versuchen zu erziehen.
Was bekannter Maßen bei Katzen relativ wenig Erfolg hat, wenn es denn auf die "altbekannte" Art und Weise geschieht:
"Lass das"!
Zuerst moderat, dann im Laufe der Zeit und proportional mit der Verdünnung der Nerven zunehmend lauter:
"LASS DAS !!!!!!!!!!!!!!!!!"

Gut gemeinte Tipps folgen: "Wasserspritze! Hilft immer!"
Tja - wenn man die Wasserspritze im Laufe eines Abends dann so geschätzte 12 Mal eingesetzt hat, einige Stellen an der Tapete
verdächtig weiche Beulen haben, die Sofakante quatschnass ist - und die Katze weiter ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgeht:
"War wohl doch nicht so toll die Idee..."
Man ist kurz davor die Katze entweder zu hauen oder auszusperren.
Beides wäre sinnlos. Und hauen geht schon mal garnicht!

Aus unserer "Menschensicht" tut die Katze Dinge, die wir nicht mögen.
Die die Katze aber prima findet, gerne tut und, überliefert aus uralter Zeit der Wildnis, garnicht anders kann - in IHREM Revier.

Wenn wir uns beiden (der Katze und uns) helfen wollen zu einem akzeptablen Umgang miteinander:
Dann versuchen wir erstmal, zu denken wie eine Katze.
Unsere menschlichen Verhaltens- und Umgangsformen und -normen sind für eine Katze nicht relevant.
Sie tut, was uns ärgert, nicht um uns zu ärgern.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind jetzt Ihre Katze.
In Ihrem Revier.
Sie drücken Ihr Kinn an der Sesselkante und an den Beinen Ihrer Diener entlang. Markieren mit Ihren Duftdrüsen die berührten Stellen, markieren diese mit Ihrem eigenen Geruch. Nur für Sie und Ihre Mitkatzen wahrnehmbar.
MEINS! ALLES MEINS!
Machen sich lang, kratzen mit Ihren Pfoten richtig tief in die Tapete, in den Sessel.
"Schaut alle her die ihr vorbeikommt: So GROSS bin ich, so STARK und das hier ist ALLES MEINS!
Sie, als Futterspender, sind in diesem Revier geduldet - machen Sie sich nichts vor...
Tisch, Bett, Schrank, Bücherregal gehören zum Revier und werden benutzt.
Als Rundweg, Liegefläche, weiche Schlafmulde. Es riecht nämlich alles nach mir, ist sicher und: IST ALLES MEINS!
Der Blumentopf wird umgegraben weil: Es riecht erstens so toll, und zweitens: Es könnte was wichtiges drinnen sein.
Dass er mir gehört muss ich nicht erst erwähnen!

Und nun? Was soll das alles? Warum lese ich das hier alles???

Damit Sie verstehen, wie SIE als Revierchef/in als Chefkatze im Rudel auftreten.
Nicht als ""Rufer in der Wüste" sondern als Chef im Revier.
IN IHREM REVIER! Nach Katzenmanier. Nicht brüllend und laut, sondern wirksam, leise und sehr ausdauernd, geduldig.
Wie Katze eben :-)
Markieren SIe Ihr Revier.

Die menschliche Wahrnehmung im Bereich Nase unterscheidet sich extrem von einer Katzennase.
Hängen Sie lieber keine getragenen Socken oder Hemden auf den Lieblingssessel. Die meisten Katzen sind Hausschuh-Fetischisten und lieben kräftigen Männerschweiß...
Markieren Sie anders. Nein - nicht SO! *lach*

Markieren Sie mit einem für die Katzennase unangenehmen Geruch. Den wir Menschen aber mögen.
Orangen- oder Zitronenöl für die Duftlampe aus dem dromarkt zum Beispiel.
Eine schicke Decke, ein Kissen, ein Handtuch, eine Serviette mit einigen Tropfen Orangenöl dorthin, wo Sie Ihr Revier markieren wollen (und wo Katz sich fern zu halten hat).
Zuerst nur an 1 wichtige Stelle (die Sofaecke?). Wir wollen doch dem Plüschkumpel das seinige Revier nicht ganz vergällen, und die "Mitkatze" verstören und vergrätzen!

Natürlich muss die Katze eine Ausweichmöglichkeit haben. Im gleichen Raum an anderer Stelle. Ein Kratzbrett, selbstgefertigt aus: Einer stabilen Holzplatte - passend zur Kiefer-/Nussbaumkollektion der Möbel - mit einem farblich passendem Teppichstück in der Mitte. Vielleicht noch etwas lieblich parfümiert mit Baldriantinktur oder Katzenminze... Entsprechend hoch aufgehängt und fest an die Wand gedübelt, damit Katz mit Macht und Nachdruck die Krallen reinhauen kann. Der zerfetzte Teppich kann nach Erfordernis ausgewechselt werden.
Auf den Blumentopf kommt Kückendraht oder dicke Kieselsteine vom Strandspaziergang. Auch mit einigen Tropfen Orangenöl...
Dafür steht auf dem Balkon oder in der Badezimmerecke ein großer Topf mit Katzengras oder frisch gekeimten Hafer.
Handfeger und Schaufel stehen im Bad sowieso immer bereit für die blöden Klo-Streukrümel!!!

Zu guter Letzt:
Wenn zurechtgewiesen werden soll, dann sofort.
Ein deutliches "NEIN" wirkt genau wie das Grollen der Mutter. Ich verbinde dieses "NEIN" von Anfang an mit einem "leichten körperlichen Verweis". In Form einer fliegenden Socke, wenn der Weg zum Übeltäter zu weit ist, zum Beispiel.
Man nehme eine ausgediente Socke, fülle sie mit eine großen Handvoll trockener Erbsen, binde den nun fast Mandarinengroßen Socken dicht über dem Füllmaterial ab, kremple den übrigen Rest der Socke um, noch mal abbinden, und schon ist ein effizientes, weiches, zielsicher zu werfendes Geschoss fertig. Das nicht weh tut, zum Beispiel abends in Griffnähe neben dem Sofa liegt, und wenn ein Kitten versucht an der Tapete zu kratzen, gibt es ein energisches "NEIN", verbunden mit dem kurzen Aufprall eines "aus dem Nichts erscheinenden" Dingsbums.
Schreck, ein Hopser, und schon ist wieder alles vergessen.
Das wichtigste ist: Die ungewünschte Aktion wird SOFORT unterbrochen, das NEIN kommt sofort, und das störende Geschoss wird nicht direkt mit der Hand, die nur streichelt, in Verbindung gebracht.
NIE hauen! Auch nicht mit der zusammengerollten Zeitung.

In diesem Sinne: Seinen SIE Chefkatze in Iherm Revier. Alle anderen Mitkatzen gehören zum Rudel, haben aber die Sicherheit, dass die Chefkatze weiß was am Besten ist.
Die Streit untereinander schlichten kann (Stänkerer anstarren und knurren - SIE sind Chef! bis der Drangsalierer den Kopf schieflegt, zu Boden blickt und schmatzt)
Und nur die Chefkatze weiß schließlich, wie die Futterdose aufgeht!
Im gewissen Sinne sind auch Katzen Opportunisten.

By the way:
Wenn Sie zu der Sorte Chefkatze gehören, denen die Mitkatzen vom Reviergang draußen eine frisch gefangene Maus mitbringen:
Kommen Sie bitte NIEMALS auf die Idee, diese Leckerei mit angewidertem Gesicht im Angesicht der Überbringerin in die Mülltonne zu schmeißen!
Ihre Mitkatze versorgt Sie mit dem Leckersten was es gibt.
Und da Sie erkenntlich nicht in der Lage dazu sind sich eine Maus zu fangen, ist das Mäuschen das tollte Geschenk der Welt überhaupt.
Nehmen Sie es in die hohle Hand (nein, es ist nicht ekelig und es blutet auch nicht und außerdem kann man sich hinterher die Hände waschen!) schauen Sie ihre Katze mit glücklichem Gesicht an, führen Sie die Faust (mit Maus drinnen) zum Gesicht, tun Sie so als ob Sie abbeißen und schmatzen Sie genüßlich. Lecken Sie sich den Bart!

In den Augen anderer Menschen werden Sie sich aufführen wie ein Idiot - Sie als Chefkatze wissen: Mieze sieht, wie ich das Geschenk dankbar annehme und freut sich drüber.
Sie hat der Chefkatze diesen Tag gerettet. Chefkatze ist satt und zufrieden.
Köpfchen geben, stupsen, schmatzen, lieb haben.

In diesem Sinne: Ein friedliches, verständiges und artgerechtes Miteinader aneinander!


>zurück