Ein paar grundlegende Erfahrungen im Umgang mit Mutterkatzen

Mamikatz ist dick und rund geworden,das Putzen wird umständlich, und so langsam rückt der berechnete Zeitpunkt der Geburt
(ca. 63 - 65 Tage ab dem Deckdatum) näher.
Kisten, Schubladen, Schränke, Bett... alles wird nach geeigneten Möglichkeiten für den großen Moment untersucht.
Angebotene Decken werden zusammengescharrt und Höhlen werden werden inpiziert.
Und dann ist es soweit: Der Schleimpfropf im Muttermund löst sich, erste Absonderungen werden sorgsam abgeschleckt.
Die Katze ist unruhig, ruft eventuell nach ihrem Menschen, maunzt eventuell bei jeder Wehe.
Die kommen regelmäßig und sind deutlich zu fühlen und zu sehen.
Schauer überlaufen den Körper, Wellen kommen und ebben ab. Die Katze versucht, sich an Seitenwänden der Wurfkiste abzustützen. Meine Damen mögen es, wenn ich ihnen eine flache Hand an die Füße halte - es wird mit Kraft gegenan gestemmt.
Eine kräftige Presswehe - und am Scheidenausgang erscheint eine dicke, glänzemde Blase: Der erste Teil vom eingepackten Baby. Es ist relativ egal ob in Kopf- oder Steißlage, noch ist die Plazenta dicht.
Eine allerletzte Wehe, eventuell ein lautes Wehklagen der Gebärenden - und schon ist ein neues Kätzchen auf der Welt.
In 99% aller Fälle ist die Plazenta offen und das Baby liegt klatschnass, glänzend im Nest.
Noch mit der Nabelschnur verbunden, die Plazenta wird mit einer der kommenden Wehen ausgestoßen.
Das Neugeborene hat ab dem ersten Moment vitale Reflexe, bewegt den Kopf, die Extremitäten, biegt den Rumpf .
Die Mutter beisst die Nabelschnur durch und fängt sofort das Belecken an.
Hierdurch wird der erste Sozialkontakt geknüpft, die Atmung angeregt und stabilisiert und das Fellchen getrocknet.
Komplikationen können auftreten.
Das erfordert aber ein Extrakapitel.
Das eigentlich allerwichtigste bei einer Geburt:
Für den Menschen heißt es: RUHE bewahren, Finger weg, Katze machen lassen! Beobachten. Eingreifen wenn es Not tut.
Im Normalfall kommen die Welpen im Abstand von 15 bis 60 Minuten auf die Welt.
Wenn alle da sind, trocken an der Milchbar liegen und sanftes, helles Piepen aus dem Nest dringt: Alles Feinstens.
Frische Laken und Tücher unterschieben.
Mutti versorgen (Eigelb, Kondensmilch, etwas Honig verquirlt wird gern als Stärkung genommen).
Hunger ist im seltensten Fall - das auffressen der Plazenten macht satt. Eine Katzenmutter in freier Natur entsorgt so die Wurfspuren welche ansonsten Raubtiere anlocken würden.
Im großen und ganzen ist eine Katzengeburt eine relativ blutlose Angelegenheit! Lediglich Fruchtwasser und Schleim kann auf den Tüchern zu finden sein. Und natürlich etwas Blut. Aber eben keine Unmengen!
Aporpos Tücher: Bitte keine Frottehandtücher ins Nest - auch wenn diese bestens absorbieren. Babykrallen bleiben meist in den Frotteeschlaufen hängen - und das kann unangenehm sein...
Die ersten 3-4 Tage bleibt die Mutter mit den Babys in der Wurfhöhle.

Und jetzt kommts: Jetzt kommen wir zu dem Suchbegriff im Search-String meiner HP-Statistik:
Die Mutterkatze verlässt nach 4 Tagen das Nest.
ALs ich den ersten Wurf hatte, kam ich eines Tages nach Hause (war kurz 3 Stunden weg, Frau kann ja nicht immer auf Knieen vor dem Nest hocken ) guckte ins Nest und fiel fast um: DIE KITTEN SIND WEG!!!!!
Ich hab gesucht wie verrückt - und fand den Haufen fiependes und sattes, warmes Fell ganz hinten (noch weiter hinten!) hinterm Sofa.
Ok. Alles OK. Kaffe trinken. Entspannen. Wie der Rest der Truppe.
Denn: Das ist ganz normal.
Muttikatz war während meiner Abwesenheit - vielleicht auch schon Tags oder Nachts zuvor - auf Wanderschaft gegangen und hat nach einem neuen, sicheren Platz für den Nachwuchs gesucht.
Ist "in freier Wildbahn" genau so.
Wenn alle Kitten fit, stabil und krekel sind, findet Mutti: Als Wurfhöhle war das OK, für die nächsten 3 Wochen brauchen wir was größeres, besseres, außerdem "riecht" es etwas hier. (Nicht für uns Menschen, aber eben für Feinde mit feinen Nasen für Geburtsreste und so...)
Also: Umzug. Mit je einem Kitten im Maul. Ins neue, sichere Nest.
Dieses "umherirren" am 4. Tag ist ein sicheres Zeichen für eine gesunde, aufmerksame Katzenmutter mit natürlichen Instinkten.
Fast alle Katzen sind trotz jahrtausenden Domestikationsversuchen immer noch die "Wilden".
Wenn wir diesen Instinkt unterstützen wollen heisst das:
Wir bieten der Mutterkatze ein neues Nest an.
Das muss nicht zwangsläufig (weil selbst ausgesucht) der unereichbarste Winkel im Haus sein. Man muss die Lütten ja schließlich alle 24 Stunden wiegen und kontrollieren. Der Katze hilft man insofern:
Neue Tücher und Laken bereitlegen, Mutti einmal kurz aus der Wurfkiste heben. In anderes Zimmer. Tür zu.
Und dann blitzschnell: Kiste in die andere Zimmerecke stellen, eventuell hinter das Sofa oder unter den Tisch, Laken wechseln und Mutti wieder reinlassen.
Das gefiepe der Lütten veranlasst die Mutter sofort wieder zum Sprung in die Kiste.
Das Nest wird inspiziert, alle Kinder durchgezählt: Alles OK. Ein prüfender Blick rundum über den Rand: Mensch da, neue (bekannte) Neststelle- also kein Grund zur Katzensorge.
Mutti hat was sie wollte: Ein Nest - sauber und an geschützter, neuer Stelle.
Wir haben (relativ) freien Zugriff und Blickkontakt.
Vor einem soll man/frau sich im Interesse der kleinen Familie wirklich hüten.
Und ich kann es nicht oft und eindringlich genug sagen:
Wenn alles OK ist: Finger, Hände, Nase und Gesicht raus aus der Wurfkiste!
Lasst der Mutter und den Kindern die Ruhe die sie brauchen!
Die Zwerge wachsen im Schlaf. Mutti kümmert sich um alles!
WIR STÖREN NUR!!!
Bei alller Hingabe und Liebe und: "Die sind sooooo süß!"
In der ersten Woche reicht zur Kontrolle: Morgends nach dem Rechten gucken, alle einmal in die Hand nehmen, drehen, wenden, horchen, Popo und Nabel gucken und abends das gleiche noch Mal und wiegen .
In diesen Minuten nehmen die Zwerge unseren Geruch (bitte biite kein Parfüm, Deo, Haarspray, Zigarettenrauch...) und unsere warmen Hände wahr und lernen uns kennen.
Bei zu viel Trubel (Schulkameraden kommen "Kätzchen kucken wollen... streicheln wollen..., oh - schade - runtergefallen!)
ist es selbstverständlich dass die Mutterkatze es vorzieht erneut umzuziehen.
Und somit kommt keine Ruhe ins Nest, die Lütten trinken nicht ausreichend, die Mutter hat keine Ruhe zur Milchbildung,
irrt umher.. ein Teufelskreis.
In diesem Sinne: Eine vernünftige, natürliche und instinktsichere Aufzucht für alle Katzenkiddies wünscht Ihnen und Euch die Coon Crew.


>zurück